Von einst bis morgen.

Im Zürcher Oberland und insbesondere im Tösstal trug das Weben am Handwebstuhl im letzten und vorletzten Jahrhundert viel zur Linderung der finanziellen Not der Bevölkerung bei. Die Heimarbeit war ein wichtiger Bestandteil zum Überleben und verlor erst durch die Industrialisierung an Bedeutung.

Zusammen mit dem Glarnerland wurde das Zürcher Oberland durch das Weben und Färben von Textilien zur hochindustrialisierten Region und war als solche bekannt in ganz Europa. Damit scheint es klar, dass hier der richtige Ort ist, die einzige noch aktive, professionelle Handweberei der Deutschschweiz als Kulturgut zu erhalten. So bleiben die handwerklichen Fähigkeiten, das Wissen um traditionelle Muster und Materialien lebendig und erlauben auch die Weiterentwicklung auf die neuen Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft.

Die Gründung der Genossenschaft zur Erhaltung des traditionellen Handwerks unter dem heutigen Namen „Heimatwerk Züri Oberland“ wurde 1928 von der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich und vom Bund unterstützt. Neun Weberinnen und Weber stellten Schürzen, Hemdenstoff, Handtücher und weisse Tischtücher her. Die Anzahl der Weberinnen und Näherinnen konnte bald erweitert werden, insbesondere in den Kriegsjahren war die Nachfrage nach handgewebten Artikeln wegen deren Dauerhaftigkeit sehr hoch.

In den 50er Jahren verliert die Heimarbeit an Bedeutung und die Handweberei in Bauma wird 1953 eingerichtet. Vier Weberinnen arbeiten an neun Webstühlen und der grossen Zettelmaschine.

Der Bedarf an handgewebten Wohntextilien verminderte sich mit der Veränderung hin zu einer Wegwerfgesellschaft. Die Qualität und Dauerhaftigkeit genoss bei der Wahl von Küchen- und Tischwäsche nicht mehr oberste Priorität. Handgewebte Produkte konnten im harten Preiskampf nicht mehr mithalten. So wurden die Aufträge immer weniger, obwohl eine treue, ländliche Kundschaft sich weiterhin für die sorgfältig hergestellten, farbig fröhlichen Baumertücher begeisterte.

Mit der neu erwachten Wertschätzung des Kunsthandwerks wurden im Webatelier in den letzten Jahren besondere Kleinprojekte erarbeitet, ausgestellt und verkauft. Dabei erwachte die Freude an der Weiterentwicklung der Webprodukte zu Wohn- und Gebrauchstextilien, die den heutigen modernen Pflegeansprüchen, höchster Qualität und den kunsthandwerklichen Anforderungen entsprechen. Die Naturnähe der Materialien, die Strapazierfähigkeit der handgewebten Produkte, die Gestaltung der Farben und insbesondere die Individualität eines jeden Artikels werden in der heutigen und zukünftigen Zeit die Kundinnen und Kunden überzeugen.

Die 1996 aus der Genossenschaft heraus gegründete Stiftung zur Erhaltung und Förderung des traditionellen Handwerks im Zürcher Berggebiet bekennt sich zum Auftrag, das kunsthandwerkliche Weben zu erhalten, zu fördern und weiter zu entwickeln. Die traditionellen Trachtenstoffe und die modernen Wohntextilien in handgewebter, ausserordentlich hoher Qualität und Schönheit sollen für nächste Generationen erhalten bleiben.